Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Seit Weihnachten sind zwar schon wieder ein paar Wochen vergangen, trotzdem hier eine kleine Weihnachtsgeschichte aus Sapporo:

Wir waren kurz vor Weihnachten von einer koreanischen Missionarin zu einer kleinen christlichen Gemeinde im Süden Sapporos zum „Deutschen Weihnachtsabend“ eingeladen. Ahhhh, was für ein Titel. Sie hatte sich gedacht, dass Studenten sicher gerne war darüber hören wollen wir man in Deutschland  so Weihnachten feiert (deutsche Weihnachtsmärkte sind in Japan ja auch recht beliebt). Mann, was hat mich der Titel des Abends genervt, wir sind ja nicht hier um etwas über die verquere Art wie in D-Land Weihnachten gefeiert wird zu erzählen und um das zu promoten was aus der eigentlichen Sache gemacht wurde… . Aber die Flyer waren schon verteilt.

Ich (JP) hatte besonders daran zu kauen, da es an Weihnachten doch um die krasse Botschaft geht, dass Gott selbst in Jesus auf die Erde kam!!! Wir durch ihn erkennen können wer Gott ist, dabei auch raus finden wer wir eigentlich als Mensch so sind und was das ganze hier eigentlich soll… . Das ER die Antwort auf unsere Sehnsüchte ist, das ER die Antwort darauf ist, wie ungerechte verquere Menschen vor einem ewigen gerechten perfekten Gott bestehen könne, ohne dass dieser sich seinem eigenen Wesen, das Gerechtigkeit und Liebe ist widerspricht und noch soooo viel mehr… Grrrrrrr.

Eigentlich wollten wir beide zu dem Abend, aber da Nora krank war musste ich alleine losziehen. Dank einiger Tipps, Gehirn auswringen und Gott, sind uns dann doch noch ein paar coole Sachen eingefallen. Und wir dachten wir erklären einfach ein paar der Bräuche und was sie eigentlichen für eine Bedeutung hatten/haben. Nach einem opulenten Essen und ein paar lustigen Spielen gings dann los und ich hab etwas über den Adventskranzes und seine Geschichte erzählt. Ich hab versucht die Leute mit in eine Geschichte mit rein zu nehmen. Nämlich wie es im Rauhen Haus damals wohl für die Obdachlosen Kinder war, die vom Leben auf der Straße verletzt, verlassen und ohne Hoffnung waren und dann mit jedem Tage im Advent eine Geschichte über die Hoffnung des Messias, des „Heilandes“, des Retters, … , der sie unendlich liebt gehört haben. Wie es mit jeder Geschichte Tag für Tag etwas mehr Licht im Haus wurde, da jeden Tag eine Kerze mehr auf einem Wagenrad angezündet wurde (die Geburtsstunde des Adventskranz) und wie es auch in den Herzen der Kinder vielleicht Andacht für Andacht, Geschichte für Geschichte es mehr Licht wurde, weil sie verstanden haben um was es an Weihnachten geht: Jesus! Das er derjenige ist, der ihre leeren und verletzten Herzen heilen kann, das er der ist der ihnen auch ihre Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit stillen kann, usw.  . Danach hab ich noch erzählt wie Jesus mir persönlich begegnet ist uns ich mich in ihn verliebt habe und es dann auch bei mir im Herz Weihnachten geworden ist und immer noch ist.

Danach hatten die Studenten die Chance Feedback zu geben und  sich über das gehörte zu unterhalten. Alle hatten zum ersten mal von der eigentlichen Bedeutung von Weihnachten gehört, nämlich das es etwas mit Jesus zu tun hat. Von den dreien die gekommen waren meinte dann noch eine, dass für sie nun auch das aller erste mal in ihrem Leben an Weihnachten in ihrem Herzen ein Licht sein wird wie bei den Kindern in der Geschichte.

Hier mal was im Gegensatzt sonst so an Weihnachten von Jugendlichen hier gemacht wird

Fest der Liebe – irdisch, allzuirdisch,

von Christoph Neumann
(Quelle: http://www.welt.de/print-welt/article306451/Fest_der_Liebe_irdisch_allzuirdisch.html)

Auch in Japan weihnachtet es sehr – vor allem für junge Leute: Es ist die Nacht der unmoralischen Angebote. Oft endet sie im Stundenhotel

In Japan sind an Heiligabend die Liebeshotels voll. Weihnachten begehen die jüngeren, ungebundenen Japaner traditionell mit einem Date – und der Hotelbesuch ist der natürliche Abschluß dieser mehr oder minder romantischen Verabredung zu zweit.

Japan hat vom christlichen Fest nur die oberflächlichen Formen, die sicht- und hörbaren Insignien der Weihnachtszeit, in sinnentleerter Präzision übernommen. Ab Mitte November schmücken sich japanische Städte mit Weihnachtsbäumen, prächtigen Lichterketten und überdimensionalen christlichen Symbolen. Im Supermarkt beschallt „Jingle Bells“ vom Endlostonband die Dosenregale. Beim Schwimmen im Fitnessclub gerät der deutsche Gast bei einer a cappella gesungenen „Stille Nacht“ als einziger in eine völlig unpassend feierliche Stimmung.

Nur für die Kleinen ist Weihnachten überall gleich. Kleinkinder und Grundschüler bekommen am Morgen des ersten Festtages tolle Geschenke von den Eltern, vom Weihnachtsmann, egal von wem, egal auch warum. Einem geschenkten Power Ranger schaut man nicht unter die Mundklappe. Erwachsene dagegen beschenken einander normalerweise nicht. Und genauso wenig wie die Japaner am Weihnachtstag einen Gottesdienst besuchen würden, sähen sie Sinn darin, ihn mit einem besonders üppigen Mahl oder Fest in der Familie zu zelebrieren.

Sie hätten auch gar keine Muße dafür, denn die Weihnachtsfeiertage sind hier samt und sonders normale Werktage. Wenn der Arbeitstag mit dem Abreißen des Kalenderblattes für den 25. Dezember beginnt, werden Einsamkeit und Heimatferne wohl jedem Westler bewusst.

So spielt Weihnachten nur für jüngere Kinder eine besondere Rolle – und eben für die jüngeren Singles. Wie amerikanische Teenager vor ihren „Prom“-Abschlussball, beschäftigt japanische Teenager und Twens die Suche nach dem Partner fürs Heiligabend-Date schon Wochen voraus. Das Schlimmste wäre nämlich, als einziger unter den Freunden Weihnachten im Familienkreis zubringen zu müssen.

Wenn die Optionen langsam knapp werden, tut es auch ein Ausländer. Alle Jahre wieder gehen Mitte Dezember plötzlich lauter Anrufe ein. „Hier ist die Asuka, erinnerst du dich? Wir haben im August mal in einer Kneipe miteinander gesprochen.“ (Seitdem nie mehr.) „Ach ja…“ – „Ich wollte mal fragen, was machst du so am 24.?“ – „Warum?“ (Zögern.) „Ich würde dich gern treffen, hast du Zeit?“ – „Hm, am 24. feiere ich Weihnachten in Deutschland mit meiner Familie, aber wir können uns vorher treffen, am 18. oder 19.“ – „Nein, da kann ich nicht.“ – „Dann eben, wenn ich wieder zurück bin, nach Neujahr.“ – „Nein, nein, das ist doch zu spät!“

In Japan hat alles seine festgelegte Zeit, und vor allem hat jede Zeit eine festgelegte Aktivität. Am 24. trifft sich niemand, um betrunken um die Häuser zu ziehen, Canasta zu spielen oder über Kant zu diskutieren. Wer sich für den 24. verabredet, will mit dem anderen eine Beziehung eingehen, und sei es für eine Nacht. Daher muss man den Grund der Verabredung nicht explizieren, man muss nicht einmal das Wort „Verabredung“ in den Mund nehmen.

Eben dieser Code macht Heiligabend zum Renner gerade bei den jüngeren Gymnasiasten, die sich noch nicht so recht trauen, ihrer Flamme ein direktes Geständnis zu machen. Statt eines hochnotpeinlichen Liebesbriefes fragt man einfach: „Was machst du so am 24.?“ Und kann die Antwort eins zu eins übersetzen. „Ich habe noch nichts vor“ – das heißt: „Ich will auch was von dir.“

Am Tag X-Mas trifft man sich dann gegen Abend an den großen Bahnhöfen in der Nähe der Vergnügungsviertel. Erwachsene Pärchen besuchen zunächst ein angesagtes Lokal, in dem der Mann ein Weihnachtsgeschenk überreicht. Es braucht nicht persönlich, liebevoll ausgewählt oder gar selbst gemacht zu sein – um Himmels willen! Hauptsache teuer, die Wertschätzung einer Frau drückt sich in der Summe aus, die ein Mann auszugeben bereit ist. Die Uhr, der Ring, die Handtasche steckt nicht nur in einer aufwendigen Geschenkverpackung. Zur Sicherheit übergibt der Mann auch die Papiertüte mit dem prestigevollen Markenname, groß aufgedruckt.

Zentraler Moment des Heiligen Abends ist der nun folgende romantische Spaziergang. Von außen wirkt die Szenerie eher wie beim Sommerschlußverkauf. Alle Weihnachts-Dates laufen nämlich derart synchron ab, gleicher Tag, gleiche Tageszeit, gleicher Ort, gleiche Aktivität, dass sich um sieben oder acht Uhr am Heiligen Abend in den großen Vergügungsvierteln wie Shinjuku in Tokio Gruppen händchenhaltender Paare durch die engen Straßen schieben. Ausgerechnet in dieser Überfülltheit sind sie auf der Suche nach einem abgeschiedenen, privaten Ort für den Beginn einer intimen Zweisamkeit.

Jede Bank, jeder Blumenbeetrand ist von Paaren besetzt, oft nur durch Armeslänge voneinander getrennt. Aber das Nachbarpärchen und die Kälte werden ignoriert; mit den festlich leuchtenden Dekorationen der großen Kaufhäuser im Blick vollziehen die Pärchen das Ritual des Festes der Liebe: den ersten Kuss. Der Weg ins Hotel, der Abend, die Nacht liegt dann offen vor ihnen.

Dr. Christoph Neumann arbeitet als Softwareentwickler und Autor in Tokio. Sein Buch „Darum nerven Japaner. Der ungeschminkte Wahnsinn des japanischen Alltags“ ist bei Eichborn erschienen.

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